Der Stellenanzeigen-Code

Der Stellenanzeigen-Code
Von Sascha Theisen, Gründer und Inhaber von Employer Telling,

Der Stellenanzeigen-Code

In diesem Moment, in dem du diesen Artikel liest, stehen alleine in Deutschland fast 1,5 Millionen Stellenanzeigen online. Das heißt: Die gute alte Jobanzeige ist nach wie vor das meist genutzte Instrument von Arbeitgebern, um neue Mitarbeitende zu gewinnen. Für Bewerbende bedeutet das vor allem eines: Wer die Stellenanzeigen und ihre Geheimcodes am besten versteht, kann für sich am besten entscheiden, welche Ausschreibung aus der Fülle von Jobs am besten zu ihr oder ihm passt und welche nicht. Viele Unternehmen arbeiten nämlich mit internen Codes, die aber letztlich gar nicht so schwer zu entschlüsseln sind – man muss eben nur wissen, wo man ansetzen soll. Und genau das verraten wir Dir in diesem Artikel.

Umgehen von Gleichstellungsvorgaben

Gemäß allgemeiner Gleichstellungsvorgaben durch den Gesetzgeber dürfen Arbeitgeber in ihren Stellenanzeigen nicht explizit nach Bewerbenden eines bestimmten Alters, Geschlecht oder Herkunft suchen. Ausschreibungen müssen vielmehr offen für alle sein. Trotzdem gibt es manchmal Jobs für die beispielsweise jüngere Menschen besser geeignet sind als ältere. Viele Unternehmen platzieren daher in ihrer Aufgabenbeschreibung den Hinweis auf die „Zusammenarbeit mit einem jungen Team“. Das heißt für die Bewerbenden: In diesem Team werden wahrscheinlich wenige Mitglieder dabei sind, die über 30 Jahre alt sind. Der Umgang untereinander könnte lockerer sein als in einem hinsichtlich des Alters diversen Team. Man kann von einer Duz-Kultur und vergleichsweise flachen Hierarchien ausgehen.

Die verschlüsselte Gehaltsfrage

Keine Frage: Neben der Aufgabe und den Kollegen ist das Gehalt mit Sicherheit eine der wichtigsten Informationen rund um die Jobsuche. Wer einen Beruf beginnt oder den aktuellen Job wechselt, möchte selbstverständlichen wissen, was in der Lohntüte steckt. Nun ist Deutschland eines der wenigen Länder, in dem kaum Gehaltszahlen in Stellenanzeigen genannt werden. Es gilt daher, genau darauf zu achten, mit welchen Formulierungen der Lohn begleitet wird. Sprechen Arbeitgeber beispielsweise von einem „attraktiven“ oder einem „fairen Gehalt“ ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieses unter dem branchenüblichen Schnitt liegt. Wird dagegen explizit von einem „überdurchschnittlichem Gehalt“ geschrieben, scheint dieses auch in einem solchen Rahmen zu liegen. Es lohnt sich in diesem Fall den Branchenschnitt vor einem Job-Interview in Erfahrung zu bringen und den Arbeitgeber mit dieser Zahl zu konfrontieren.

Immer die gleichen Formulierungen sind manchmal auch nur Floskeln

Oft sind Stellenanzeigen voller immer wiederkehrender Floskeln. Unternehmen unterschiedlicher Couleur sprechen von „flachen Hierarchien“, „dynamischen Teams“ oder „fordernden Aufgaben“. In vielen Fällen schreiben Arbeitgeber diese Phrasen einfach voneinander ab, manchmal verbirgt sich aber auch eine versteckte Botschaft dahinter. Spricht ein Unternehmen beispielsweise von einem „eingespielten Team“ ist Vorsicht geboten, denn das kann auch heißen, dass neue Teammitglieder nicht sofort herzlich aufgenommen werden. Die vielzitierten „flachen Hierarchien“ können auch bedeuten, dass neue Mitarbeitende schnell in die Verantwortung genommen werden. Das kann für sehr ehrgeizige Bewerbende eine Chance sein, für viele Berufstartende klingt das aber eben auch nach Überforderung. Letztlich sind die „vielschichtigen Weiterbildungsangebote“ genau das, was ihre Formulierung ausdrückt, nämlich unkonkret. Wer großen Wert auf seine persönliche Entwicklung legt, sollte daher im Vorstellungsgespräch genau nachfragen, welche Möglichkeiten es für sie oder ihn im Unternehmen genau gibt. Unkonkrete Formulierungen sind meist ein Zeichen für kein festes und strategisches Entwicklungsprogramm.

Vorsicht vor versteckten Anforderungen

Ein wichtiger Bestandteil von Stellenanzeigen sind last but not least die Anforderungsprofile, in denen Arbeitgeber ihre Erwartungen an Bewerbende formulieren. Auch was hier oft floskelhaft klingt, sind hier und da versteckte Andeutungen. Arbeitgeber, die „belastbare“ Mitarbeitende suchen, haben wahrscheinlich zahlreiche Überstunden im Gepäck. Wer „eigenverantwortlich“ arbeiten soll, erhält zwar schnell viel Verantwortung, muss eventuelle Fehler aber auch alleine verantworten und wer „flexibel“ im Anforderungsprofil liest und denkt, dass dies doch eine Selbstverständlichkeit sein sollte – Vorsicht. Denn die Aufgaben im späteren Job könnten öfter wechseln als es einem auf den ersten Blick lieb ist.

Die wichtigsten Bausteine einer Stellenanzeige und Fragen, die du dir stellen solltest.

Die Arbeitgeberbeschreibung: Ist das Unternehmen in der Lage, in wenigen Sätzen zu beschreiben, was es macht und was es seinen Mitarbeitenden bietet?
Die Jobbeschreibung: Schafft es der Arbeitgeber den Job verständlich und attraktiv darzustellen? Weißt Du danach, was beruflich auf dich zukommt?
Das Anforderungsprofil: Ist die Liste aus deiner Sicht zu lang und wirklich erfüllbar? Bist du bereit und fähig, alle Anforderungen zu erfüllen?
Die Arbeitgeberleistungen: Du entscheidest dich für einen Arbeitgeber - also: Überzeugt es dich, welche Benefits der Arbeitgeber dir bietet?

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