10 aktuelle Trends bei der Jobsuche

10 aktuelle Trends bei der Jobsuche
Von Tim Verhoeven, Senior Manager Employer bei der Insights Indeed Deutschland GmbH,

Auch die Jobsuche verändert sich. Für viele junge Menschen heutzutage ist es kaum noch vorstellbar, dass man früher für jede Bewerbung eine eigene Mappe (aus echtem Papier!) zusammengestellt hat – komplett mit Anschreiben, Lebenslauf, Farbkopien der Zeugnisse und einem Passbild. Das war nicht nur mühsam, sondern auch recht teuer.

Heute kann man sich schnell und kostenfrei schon mit wenigen Klicks online bewerben. Dank Smartphone geht das von überall: während der Fahrt mit der U-Bahn, gemütlich vom Sofa aus genauso wie aus dem Strandurlaub. Dadurch kann man sich nicht nur viel schneller, sondern auch bei einer ganzen Reihe von Arbeitgebern gleichzeitig bewerben. Darüber hinaus verändert sich die Art, wie man einen Job sucht, ständig. Nicht zuletzt hat die Corona-Pandemie Arbeitgeber motiviert, Neues auszuprobieren. Und einige dieser Neuheiten könnten sich in Zukunft durchsetzen und zur Normalität werden. Tim Verhoeven ist Recruiting-Experte bei der Jobbörse Indeed und stellt hier die zehn heißesten Trends auf dem Jobmarkt vor. Los geht’s!

Boom! Arbeitsmarkt im Aufschwung

Gute Nachrichten: Der Arbeitsmarkt hat für Jobsuchende momentan viel zu bieten. Schon jetzt besteht ein Überangebot an Stellen – und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Das Stichwort heißt Fachkräftemangel. Arbeitsmarkt-Expert_innen gehen davon aus, dass es in den kommenden Jahrzehnten für Unternehmen immer schwieriger werden wird, genug Fachkräfte zu finden. Während der Corona-Krise stieg die Arbeitslosigkeit durch die Lockdowns zwar kurzzeitig an. Mittlerweile hat sich der Trend aber wieder gedreht: In vielen Branchen fehlen Arbeitskräfte. Im September 2021 betrug die Arbeitslosenquote nur noch 5,4 Prozent.

Eine steigende Tendenz zeigt sich auch bei der Menge der ausgeschriebenen Jobs: Bei der Jobbörse Indeed liegt die Zahl der veröffentlichten Stellenanzeigen bei knapp 40 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona. Natürlich sieht es nicht in allen Branchen und bei allen Berufsbildern so rosig aus. Aber beispielsweise in Einzelhandel und Gastgewerbe oder auch im Ingenieurswesen und in der IT werden Fachkräfte händeringend gesucht. Für viele Jobsuchende bedeutet das: Sie können sich aussuchen, wo sie sich bewerben und haben eine ziemlich gute Ausgangsposition, wenn es um die Verhandlung von Gehalt, Arbeitsbedingungen und Zusatzleistungen geht.

Mobile Bewerbung

Der Trend zur mobilen Bewerbung hält an. Das macht ja auch Sinn, denn die meisten Menschen setzen sich für die Jobsuche nicht mehr extra an den PC, sondern schauen sich zwischendurch per Smartphone nach einer neuen Stelle um: Die Online-Stellenbörse Indeed hat festgestellt, dass weltweit bereits 75 Prozent der Jobsuchen vom Mobilgerät aus erfolgen. Die Bewerbung ist dann nur noch wenige Klicks entfernt, denn auf einigen Jobseiten kann man sich sofort bewerben – direkt aus der Stellenanzeige heraus. So ist man nicht nur unter den ersten Bewerbenden, sondern spart sich auch viel Zeit und Aufwand. Wer es sich ganz einfach machen möchte, hinterlegt den Lebenslauf auf der Plattform. Taucht ein potenzieller Traumjob auf, wird die Bewerbung per Knopfdruck verschickt. Den Lebenslauf hochzuladen hat noch einen weiteren Vorteil: Headhunter und Recruiter stöbern in Lebenslauf-Datenbanken auf der Suche nach geeignetem Personal. Wer dort mit seiner Vita präsent ist, muss sich unter Umständen gar nicht mehr bewerben, sondern wird von Personalabteilungen kontaktiert. Bewerbungen sind damit zwar nicht überflüssig geworden – aber gefunden werden, ist doch auch ganz schön.

Tschüs, Anschreiben!

Ein Anschreiben formulieren – schon die Vorstellung treibt vielen Jobsuchenden den Schweiß auf die Stirn. Was schreibt man den häufig unbekannten Ansprechpartner-innen in einem Unternehmen, über das man noch gar nicht viel weiß? Wie trifft man den richtigen Ton? Wie kommt man selbstbewusst, aber nicht arrogant herüber? Sympathisch, aber nicht flapsig? Wie zeigt man, dass man den Job wirklich will, ohne aufdringlich zu wirken? Auf der anderen Seite scheint den Recruiter_innen das Lesen der mehr oder weniger förmlichen Anschreiben auch nicht besonders viel Spaß zu machen. Sie sagen einfach zu wenig aus und sind eine zusätzliche Hürde für Bewerbende. Warum schafft man Anschreiben dann nicht einfach ab? Genau das haben beispielsweise die Deutsche Bahn und OTTO bereits vor Jahren getan. Manche Unternehmen fordern stattdessen ein Motivationsschreiben, um den Werten der potenziellen Mitarbeitenden auf den Grund zu gehen – oder schauen sich gleich selbst auf den Social-Media-Profilen der Bewerbenden um. Wer also bei der Bewerbung darauf achtet, ob überhaupt ein Anschreiben gefordert ist, kann sich viel Mühe ersparen. Die eingesparte Zeit kann man nutzen, um die eigenen Social-Media-Profile auf Bewerbungstauglichkeit zu überprüfen.

Referenzen statt Zeugnisse

„Zur vollen Zufriedenheit“ oder „stets zur vollsten Zufriedenheit“ – längst wirken die verklausulierten Formulierungen in Zeugnissen antiquiert. Und sie sind wenig aussagekräftig: Zu oft werden die Texte selbst verfasst oder aus Zeitmangel von alten Zeugnissen abgeschrieben. Während es sicher immer noch sinnvoll ist, beim letzten Arbeitgeber ein Zeugnis einzufordern, sollte man sich dennoch Alternativen für die Bewerbung überlegen. Berufseinsteigende stehen sowieso vor dem Problem, dass sie noch nicht viele Zeugnisse bekommen haben. Interessanter für potenzielle Arbeitgeber sind Referenzen. Das können persönliche Empfehlungen von Lehrkräften, Trainer_innen aus dem Sportverein, Ausbilder_innen, Praktikumsverantwortlichen oder auch ehemaligen Vorgesetzten sein. Der Vorteil: Eine Referenz stammt in der Regel von einer Person, die den oder die Bewerbende_n wirklich gut kennt. Der Text ist persönlicher, frei von Formeln und kann neben einer Einschätzung der Stärken auch konkrete Projekte und Ergebnisse erhalten. Apropos Ergebnisse: Eine weitere Alternative oder Ergänzung zum Zeugnis für Berufserfahrene ist der Track Record. Hier handelt es sich um einen selbstverfassten Rückblick auf die erfolgreichsten Projekte der Karriere.

Die faire Bewerbung

Studien zeigen es immer wieder: Diskriminierung bei der Jobsuche ist real – ob bewusst oder unbewusst. Leider machen Bewerbende immer noch die Erfahrung, dass sie aufgrund von Herkunft, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder anderer persönlicher Merkmale benachteiligt werden. Das ist nicht nur gesetzlich verboten (Stichwort: Antidiskriminierungsgesetz), sondern für beide Seiten von Nachteil: Die Bewerbenden haben bei gleicher Qualifikation schlechtere Chancen auf den Job. Und den Unternehmen entgehen wertvolle potenzielle Mitarbeitende. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das fast schon fahrlässig. Außerdem bringen Menschen, die anders sind als die Mehrheit, oft wertvolle neue Perspektiven in die tägliche Arbeit ein – ein weiterer Grund, Diskriminierung zu verhindern. Daher haben einige Unternehmen bereits eine anonyme Bewerbung eingeführt. Sie soll sicherstellen, dass der Arbeitgeber nicht aufgrund persönlicher Merkmale auswählt, sondern ausschließlich anhand der Qualifikation. Um diese Neutralität zu erreichen, werden Name, Adresse, Foto und weitere persönliche Daten aus der Bewerbung entweder gleich weggelassen oder automatisiert entfernt. Es ist davon auszugehen, dass sich die anonyme Bewerbung in den kommenden Jahren weiter verbreiten wird.

Über Geld reden

Ein faires Gehalt steht auf der Wunschliste von Bewerbenden immer noch ganz oben. Aber was heißt das? Wie viel ist fair? Was verdienen eigentlich andere in vergleichbaren Positionen? Während an dieser Stelle früher das große Rätselraten einsetzte, sorgt mittlerweile das Internet für mehr Transparenz. Anhand der Daten einer Vielzahl von Beschäftigten können etliche Jobplattformen bereits Durchschnittsgehälter, oft sogar nach Region gestaffelt, berechnen und anzeigen. Wer sich vor der Bewerbung im Netz informiert hat, kann realistische Gehaltsforderungen stellen. Noch transparenter wäre, wenn mehr Arbeitgeber das angebotene Gehalt direkt in der Stellenanzeige veröffentlichen würden, statt die Gehaltsverhandlung ans Ende des Vorstellungsgesprächs zu schieben. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen: Gehaltstransparenz lohnt sich – sie spart beiden Seiten jede Menge Zeit und Mühe.

Willkommen in der virtuellen Welt

Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung einen Schub verliehen: Auch die Jobsuche ist digitaler geworden. So findet das erste Vorstellungsgespräch häufig per Videokonferenz statt. Das spart Zeit und Reisekosten – dennoch bevorzugt die Mehrheit (61 Prozent) der Bewerbenden eine Kombination aus virtuellem Treffen und persönlichem Kennenlernen. Schließlich möchte man nicht nur die neuen Kolleg_innen beschnuppern, sondern sich auch ein Bild von den Räumlichkeiten machen, in denen man viel Zeit verbringen wird.

Generell eröffnet die Digitalisierung ganz neue Chancen für die Karriere: Wenn man nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren muss, ist man eher bereit, einen weiteren Anfahrtsweg in Kauf zu nehmen – das hat eine Befragung von Indeed gezeigt. Demnach hat sich der Radius, in dem Bewerbende einen Job, ein Praktikum oder eine Ausbildung suchen, vergrößert. Bis zu 50 oder gar 100 Kilometer Fahrtweg würden Menschen in Kauf nehmen, wenn sie dafür nicht mehr jeden Tag ins Büro kommen müssten. Und bei 100 Prozent Homeoffice wäre sogar ein virtuelles Praktikum in New York City möglich – vom heimischen Sofa in Erfurt aus.

Augen auf bei Zusatzleistungen

Die meisten Stellenanzeigen enthalten einen Absatz „Was wir bieten“. Noch immer liest man dort häufig: „ein freundliches Team“, „ein modern ausgestatteter Arbeitsplatz“ und „tolle Gestaltungsmöglichkeiten“. Doch mit solchen Selbstverständlichkeiten können Unternehmen bei Bewerbenden kaum noch punkten. Es muss ja nicht gleich ein Pool sein oder eine kostenlose Kantine, wie es Tech-Unternehmen im Silicon Valley vormachen. Der Trend geht jedoch zu konkreten Zusatzleistungen. Finanzielle Anreize wie ein Bonus, Krankenversicherungen oder ÖPNV-Ticket oder -Zuschuss stehen dabei auf der Wunschliste der Bewerbenden ganz oben. Aber auch Essensgutscheine und Vergünstigungen zum Beispiel für Fitnessstudios sind beliebt, genau wie Smartphone & Laptop, ein Weiterbildungsbudget, eine Betriebskita oder vermögenswirksame Leistungen. Falls man für den neuen Job umzieht, können die Übernahme von Umzugskosten oder Unterstützung bei der Wohnungssuche verhandelt werden.

Natürlich sollten attraktive Zusatzleistungen nicht das ausschlaggebende Kriterium für die Jobwahl sein. Nicht zuletzt sind sie aber ein Zeichen von Wertschätzung den Mitarbeitenden gegenüber und weisen auf eine Unternehmenskultur hin, in der nicht zuerst beim Personal gespart wird. Übrigens: Wenn gar keine Angebote und lediglich Anforderungen in der Stellenanzeige aufgeführt sind, lohnt es sich, im Laufe des Vorstellungsgespräches einmal nachzufragen. Nicht immer werben Arbeitgeber bereits in der Stellenanzeige mit ihren Zusatzleistungen

Flexibilität ist Trumpf

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, was möglich ist: Flexibles und mobiles Arbeiten ist zumindest in Bürojobs viel selbstverständlicher geworden. Laut einer Studie des Ifo-Instituts hat sich die Zahl der Stellenanzeigen mit Homeoffice-Option seit 2019 verdreifacht. Auch wenn Firmen in punkto Homeoffice teilweise schon wieder zurückrudern – verhandeln lohnt sich. Denn wie Indeed herausgefunden hat, wünschen sich zwei Drittel (67 Prozent) der Menschen, die die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten, in der Zukunft eine Hybrid-Lösung: Das bedeutet, dass sie zeitweise von Zuhause und zeitweise im Büro arbeiten können. Gerade in kreativen und kommunikativen Berufen ist der Austausch mit anderen, gern mal zwischendurch beim Kaffee, unverzichtbar – dann sind Hybrid-Modelle eine gute Alternative zum reinen Homeoffice.

Für ein knappes Drittel (30 Prozent) sind flexible Arbeitszeiten ein wichtiges Thema. Sich die Zeit selbst einteilen zu können, wird durch mobiles Arbeiten und Homeoffice immer mehr zum Standard. Insbesondere wenn es um Jobs geht, in denen man meist allein und konzentriert arbeitet und relativ wenig Abstimmungsbedarf hat, spricht wenig dagegen. Also: Einfach fragen!

Kennenlernen einmal anders

Jobmessen und Recruiting-Events lagen vor der Corona-Pandemie zu Recht im Trend: Wo kann man seinen potenziellen Arbeitgeber besser kennenlernen als beim Plausch mit den zukünftigen Kolleg_innen am Messestand? Mitunter wird aus dem ersten Kontakt sogar ein Bewerbungsgespräch direkt vor Ort. Und vielleicht stößt man auf der Jobmesse auch auf ein Unternehmen, dass man bislang gar nicht auf dem Radar hatte. Aufgrund der Pandemie finden einige Jobmessen digital statt – dann spaziert man eben als Avatar von einem virtuellen Messestand zum nächsten.

Last but not least: Durch die Pandemie haben auch die Trends “Recruitainment” (ein Wortspiel aus Recruiting und Entertainment) und Gamification (der Einsatz von spielerischen Elementen) Fahrt aufgenommen. Vom simplen Fortschrittsbalken auf dem Karriereportal bis zum Wettbewerb auf Social Media setzen Arbeitgeber auf neue Wege, um Bewerbende bei der Stange zu halten. Spiele werden mitunter sogar eingesetzt, um vorab Fachkenntnisse und Persönlichkeitsmerkmale der Bewerbenden zu testen: eine Art spielerisches Assessment Center. Die Jobsuche darf auch Spaß machen – diesen Trend muss man einfach lieben.

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